Eine Jugendstrategie für alle jungen Menschen in Europa

Abstract

Mit dieser Stellungnahme gibt die Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit (BAG KJS)
e.V. Hinweise zur Entwicklung und Umsetzung einer neuen EU-Jugendstrategie ab 2019. Zentrales Ziel
der neuen Strategie muss es sein, die Teilhabe von Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Europa zu
verbessern, insbesondere wenn sie schlechte Ausgangsbedingungen oder wenig Chancen im
Bildungssystem und auf dem Arbeitsmarkt haben. Eine aktive Bürgerschaft, europäische Mobilität und das
Engagement aller jungen Menschen ist eine wesentliche Zukunftsvoraussetzung für ein vielfältiges und
demokratisches Europa.


„Wir sind an allen Ideen interessiert, um die beste EU-Jugendstrategie aller Zeiten zu gestalten“ Tibor
Navracsics, Jugendkommissar der EU, Mai 2017


Die aktuelle Periode der EU-Jugendstrategie (2014-2018) endet mit diesem Jahr. Bis 2019 sollen ein
neuer jugendpolitischer Rahmen für Europa gestaltet und eine erneuerte Jugendstrategie abgestimmt
werden. Inzwischen haben die Planungen für diese Strategie in Europa und in den Mitgliedstaaten Fahrt
aufgenommen. Zurzeit besteht die Möglichkeit Ziele, Arbeitsformen und Themen vorzuschlagen und
europaweit zu diskutieren. Die BAG KJS begrüßt den politischen Willen der EU, erneut Eckpfeiler für eine
gemeinsame Jugendpolitik zu formulieren und der Jugend in Europa zukünftig eine größere Bedeutung
beizumessen. Mit dem Ziel eine gute Wirkkraft für die neue Strategie zu erreichen, bringt die BAG KJS
nun die Perspektive der Jugendsozialarbeit und ihrer Zielgruppen in den laufenden Strategie-
bildungsprozess ein.


Allen jungen Menschen Teilhabe an und in Europa ermöglichen


2009 wurde die „EU-Jugendstrategie" als „Erneuerter Rahmen für die jugendpolitische Zusammenarbeit in
Europa (2010-2018)" vom Rat der Europäischen Union verabschiedet. Sie zielt auf Chancengleichheit für
junge Menschen in der Bildung und auf dem Arbeitsmarkt sowie die Förderung von gesellschaftlichem
Engagement, sozialer Eingliederung und Solidarität. Hierzu wurden acht Aktionsfelder für die
jugendpolitische Zusammenarbeit innerhalb der EU formuliert: Allgemeine und berufliche Bildung,
Beschäftigung und Unternehmergeist, Gesundheit und Wohlbefinden, Partizipation, Freiwilligentätigkeit,
Soziale Eingliederung, Jugend in der Welt, Kreativität und Kultur. In Deutschland haben sich Bund und
Länder bei der Umsetzung der EU-Jugendstrategie auf nationaler Ebene auf drei Themenkorridore
konzentriert: die Gestaltung von Übergängen von der Schule in den Beruf, die Partizipation junger
Menschen und die verbesserte Anerkennung nonformaler Bildung.


Die BAG KJS unterstützt das Bestreben der Europäischen Union, Jugendpolitik über das Jahr 2018
hinaus auf der europäischen Ebene zu gestalten und den einzelnen Mitgliedstaaten eine Orientierung für
die nationale Umsetzung zu geben. Die umfassende Teilhabe und das Engagement aller jungen
Menschen europaweit ist eine wesentliche Zukunftsvoraussetzung für ein solidarisches Europa.

Die BAG KJS begrüßt alle Überlegungen für eine zukünftige Jugendpolitik in Europa, die noch stärker
gemeinsame Werte, die europäische Bürgerschaft und auch die sozialen Rechte junger Menschen in den
Mittelpunkt stellt. Für die Katholische Jugendsozialarbeit ist es zentral, dass die Teilhabe und Bildung der
jungen Menschen tatsächlich verbessert wird, die von Exklusion und Diskriminierung betroffen oder
bedroht sind, so etwa von jungen Geflüchteten und – in Anlehnung ihres gesetzlichen Auftrags nach § 13
SGB VIII – Jugendlichen die, sozial benachteiligt werden oder individuell beeinträchtigt sind.


„ Ein soziales Europa muss allen Kindern und Jugendlichen Chancen und Potentiale für ein gelingendes
Aufwachsen bieten. Ein soziales Europa darf es nicht hinnehmen, dass das Wohlbefinden junger
Menschen davon abhängt, in welchem Land sie geboren sind.“ Europapolitischer Zwischenruf der AGJ


Die BAG KJS orientiert sich mit ihren Forderungen und Vorschlägen immer auch an der Umsetzbarkeit
der europäischen Ziele in der Praxis der pädagogischen und sozialen Arbeit. Deshalb steht die Frage,
inwiefern junge Menschen, die durch Chancenungleichheit und Armut benachteiligt werden, durch eine
europäische Jugendstrategie unmittelbar profitieren, wie sie besser erreicht, beteiligt und gestärkt werden
können, im Mittelpunkt unserer Überlegungen. Für die Jugendsozialarbeit in katholischer Trägerschaft
sind für eine zukünftige EU-Jugendstrategie folgende Kernelemente unverzichtbar:

  • Junge Menschen müssen auf der europäischen, der nationalen und der lokalen Ebene umfassend
    beteiligt und nicht nur nicht nur „angehört“ werden. Die direkte Einbindung der Selbstorganisatio-
    nen, beispielsweise der Jugendverbände und weiterer zivilgesellschaftlicher Akteure, ist zu ge-
    währleisten. Um adäquate Beteiligungsmöglichkeiten für benachteiligte Jugendliche zu erreichen,
    sind mehr Ressourcen und neue Zugänge für „barrierefreie“ Beteiligungsprozesse erforderlich.
  • Die Ermöglichung transnationaler Mobilität insbesondere für benachteiligte Jugendliche muss zum
    vordringlichen Ziel der jugendpolitischen Strategien auf europäischer bzw. jeweils nationaler Ebe-
    ne werden. Hierzu ist eine ausgeweitete und gesicherte finanzielle Förderung unabdingbar. Dar-
    über hinaus sind verlässliche Stützstrukturen notwendig, die eine Einbeziehung benachteiligter
    junger Menschen in grenzüberschreitende Maßnahmen gewährleisten. Die Jugendsozialarbeit ist
    in der Lage, solche Strukturen wirkungsvoll und dauerhaft bereitzustellen. Voraussetzung ist aber
    auch hier eine ausreichende finanzielle Grundlage.
  • Nonformale und informelle Bildungsprozesse junger Menschen müssen stärker gewichtet und an-
    erkannt werden. Nötig ist die faktische Durchsetzung und Anwendung eines europäischen Refe-
    renzsystems und der nationalen Qualifikationsrahmen zur Anerkennung erworbener Qualifikatio-
    nen und Kompetenzen.
  • Gerade junge Menschen befinden sich in unterschiedlichster Weise in Übergangsprozessen.
    Deshalb war es richtig, die bessere Gestaltung von Übergängen in die Arbeitswelt durch die Un-
    terstützung der Kinder- und Jugendhilfe und der Jugendsozialarbeit auf der nationalen Ebene in
    den Focus zu nehmen. Fragen einer guten Übergangsgestaltung – unter der besonderen Berück-
    sichtigung informell und nonformal erworbener Kompetenzen – gilt es zukünftig weiter zu verfol-
    gen und zu einem gemeinsamen Schwerpunkt in Europa werden zu lassen.
  • Auf der Programmebene ist ein vereinfachter und unbürokratischer Zugang zu den europäischen
    Förderprogrammen – vor allem zum Bildungs- und Jugendprogramm Erasmus+ und den EU-
    Förderprogrammen, die für die berufliche Integration junger Menschen eine wichtige Ressource
    darstellen – zu schaffen. Originäre Jugendprogramme auf der nationalen Ebene wie „Jugend in
    Aktion“, das Schwerpunkte wie Jugendarbeit, informelle und politische Bildung sowie Partizipation
    verfolgt, sind dabei unabdingbar, um die Ziele der EU Jugendstrategie zu erreichen. Ihr Budgetan-
    teil muss deutlich erhöht werden. In Deutschland z. B. liegt der Anteil des Jugendprogramms bis-
    her nur bei 10 % (bei 20 % aller Teilnehmenden) des Gesamtprogramms von Erasmus +.

Die bisherige EU-Jugendstrategie zeigt das große Potential von grenzüberschreitender Lernmobilität und
des „Voneinander Lernens“ in Europa für die jugendpolitische und soziale Entwicklung in Europa. Es gilt
nun an diesen Erfahrungen anzuknüpfen und diese Begegnungen allen jungen Menschen zu
ermöglichen. Die europäische Jugendpolitik muss daher als Querschnittspolitik in den Feldern Bildung,
Ausbildung und Beschäftigung weiter entwickelt werden. Weitere Schwerpunktthemen mit hoher
Bedeutung für die Lebenslagen und Chancen junger Menschen in Europa sind für uns Inklusion, Migration
und Digitalisierung.


Es liegt in der Verantwortung der nationalen Jugendpolitik(en), die Voraussetzungen dafür zu schaffen,
dass die formulierten Ziele der EU-Jugendstrategie noch stärker vor Ort, in den Regionen und
Ortschaften, in den Ländern und Kommunen „ankommen“ und wirksam werden. Dazu muss die
Bedeutung und Verbindlichkeit der europäischen Jugendstrategie erhöht werden. Denn europäische
Mobilität und gelebte Vielfalt sind nicht nur ein Gewinn für die Berufsbildung und den europäischen
Arbeitsmarkt. Sie sind politische Bildung und fördern sehr relevant die persönliche Entwicklung junger
Menschen. Gemeinsame europäische Werte und die Bereitschaft zum Engagement der Jugend wachsen
aus dem gemeinsamen Erleben, der Teilhabe in Europa. Und sie sind mehr als eine wirkmächtige
Prävention gegen Rassismus und Populismus – sie sind die Basis für ein neues Europa.

Hier findet ihr zum Download die Europäische Jugendstrategie 


Frankfurt, 18.01.2018
Beschluss des Vorstands

 


Fachlich verantwortlicher Referent:
Alexander Hauser
Jugendsozialarbeit & Europa
BAG KJS
Geschäftsstelle: Caritasverband für die Erzdiözese Freiburg e.V.
Weihbischof-Gnädinger-Haus
Alois-Eckert-Straße 6, 79111 Freiburg
Tel. 0761 8974-191, Fax. 0761 8974-381
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http://www.dicvfreiburg.caritas.de

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