Im Folgenden ein Impulspapier des Vorstandes der BAG KJS zu den Herausforderungen der Digitalisierung für die Jugendsozialarbeit.
Das Impulspapier steht hier und im Downloadberiech zur Verfügung.
 
 
Jugendsozialarbeit 4.0?!
Ein Blick auf die Auswirkungen von Digitalisierung
und Mediatisierung
1. Abstract 
2. Grundlagen der Digitalisierung 
3. Chancen der Digitalisierung für die Jugendsozialarbeit 
4. Risiken der Digitalisierung für die Jugendsozialarbeit 
5. Jugendsozialarbeit 4.0
 

1. Abstract
In den letzten 25 Jahren prägte die digitale Weiterentwicklung die Lebenswelt der Menschen
und ihr gesellschaftliches Agieren. Der Transformationsprozess der Digitalisierung und Mediati-
sierung betrifft sowohl den privaten, beruflichen als auch den öffentlichen Bereich. 1 Diesem Ein-
fluss kann sich die Jugendsozialarbeit nicht entziehen. Kommunikation und Arbeitswelt werden
in Bezug auf die Einrichtungen und Dienste der Jugendsozialarbeit selbst und in Bezug auf die
Zielgruppen neu gestaltet. Dies birgt sowohl Chancen als auch Risiken, um sozial benachteilig-
ten und individuell beeinträchtigten Jugendlichen Partizipationschancen in diesem Zusammen-
hang zu eröffnen.

Dieses Papier soll Entwicklungsmöglichkeiten und Notwendigkeiten aufzeigen, welche sich für
die Jugendsozialarbeit ergeben. Dazu befasst es sich zu Beginn mit Grundlagen der Digitalisie-
rung und Mediatisierung, um dann auf die Chancen und Risiken einzugehen, welche sich für die
Jugendsozialarbeit und deren Zielgruppen ergeben. Nachfolgend werden dann Überlegungen zu
einer Jugendsozialarbeit 4.0 abgeleitet.
 

2. Grundlagen der Digitalisierung
Die Digitalisierung der Jugend – Ein Blick in die Herausforderungen der Zukunft
Die durch eine fortschreitende Digitalisierung bedingten Herausforderungen für junge Menschen
sind vielfältig. Beeinflusst durch Social Media 2 , neue digitale Trends 3 , technischen Fortschritt
und eine globale Vernetzung ist die Digitalisierung in einem ständigen Transformationsprozess. 4
Welche Erkenntnisse haben wir diesbezüglich bisher über die Zielgruppen der Jugendsozialar-
beit gewonnen? Studien, wie beispielsweise die JIM- und die SHELL-Studie, probieren diese
Transformation in Zahlen umzusetzen.
Laut JIM-Studie haben aktuell 99 Prozent der jungen Menschen in Deutschland einen Zugang
zum Internet. 5 97 Prozent der Zwölf- bis 19-Jährigen besitzen ein Mobiltelefon. 95 Prozent die-
ser Altersgruppe nutzen ein Smartphone mit Internetzugang. Bis zu 80 Prozent von ihnen sind
täglich im Internet unterwegs. 6 Die JIM-Studie hat zudem herausgefunden, dass der soziale Sta-
tus keine entscheidende Rolle für den Besitz eines Smartphones darstellt. 7 Jedoch spielen sozi-
ale sowie materielle Ungleichheiten bei den Zugangswegen zum Internet eine Rolle. Die Shell-
Studie belegt, dass finanziell besser gestellte soziale Schichten mehr Zugänge haben, als
schlechter gestellte, 8 beispielsweise über Tablets, Laptops, Smartphones oder andere internet-
fähige Geräte. Bezüglich der Zugangsart zeigt sich ein ähnliches Bild. Junge Menschen mit ge-
ringeren finanziellen Ressourcen sind in ihrer Internetnutzung vielfach an kostenfreie Internetzu-
gänge gebunden und sind daher diesbezüglich eingeschränkt. 9 Somit spielt die Frage der sozia-
len Herkunft, der materiellen Verfügbarkeit und die damit verbundene mögliche Partizipation in
der digitalen und medialen Welt eine erhebliche Rolle.

Der digitale Fortschritt birgt Gefahren, welche ebenfalls messbar gemacht werden. So gibt in der
Altersgruppe der Zwölf- bis 19-Jährigen jeder Dritte (34%) an, dass in seinem Bekanntenkreis
schon einmal jemand im Internet oder per Handy fertig gemacht wurde. Mädchen haben dies mit
37 Prozent häufiger mitbekommen als Jungen (31%). 10
Auch Kompetenzmangel kann eine Gefahr darstellen. Der Umgang mit den neuen technischen
Geräten (Smartphones, Tablets, digitale Armbänder etc.) und Anwendungen (z.B. Social Media
Plattformen, Lernplattformen, Cloud-Technologien etc.) setzt Kenntnisse und Kompetenzen vo-
raus, um an Informations- und Kommunikationsnetzwerken partizipieren zu können. 11 Dieses
Spannungsfeld zwischen neuen technischen Geräten und Anwendungen sowie den benötigten
Kenntnissen und Kompetenzen birgt eine große Herausforderung für die Zielgruppen der Ju-
gendsozialarbeit, da die Transformation durch Digitalisierung hier sehr deutlich Einfluss auf den
Alltag der jungen Menschen hat. (Die Bundesregierung fasst die Entwicklung in einem Satz zu-
sammen: „Die positive Wirkung der Digitalisierung wird sich nur entfalten, wenn dieser Wandel
in der Mitte der Gesellschaft verankert ist und von allen gesellschaftlichen Gruppen angenom-
men und aktiv mitgestaltet wird [...]“ 12 .)

Dies ist nur ein kurzer Auszug relevanter Grundlagen. Die Nutzung digitaler Medien und neues-
ter technische Geräte und Anwendungen sind bei jungen Menschen fast omnipräsent. Um die
gesellschaftlichen Prozesse und Veränderungen, die sich bedingt durch die Digitalisierung und
Mediatisierung ergeben, politisch mitzugestalten, ist es unerlässlich die Entwicklungen zu be-
obachten, zu analysieren, Schlussfolgerungen zu ziehen und politisches Handeln entsprechend
auszurichten. Die Bundesregierung konkretisiert dies in ihrer Digitalen Agenda.

Die Digitale Agenda der Bundesregierung
Diverse technische Weiterentwicklungen haben die letzten Jahre geprägt und zu Veränderungen
im Leben der Menschen geführt. Die Bundesregierung versucht diesen Prozess politisch zu be-
einflussen und die gesamtgesellschaftlichen Auswirkungen zu gestalten. Sie hat daher für die
Jahre 2014-2017 die „Digitale Agenda“ initiiert. 13 Die Digitale Agenda hat zum Ziel, dass die Di-
gitalisierung gefördert und deren Weiterentwicklung effektiv gesteuert wird. Die Bundesregierung
betont, dass dieser Prozess fortlaufend andauern wird. Dabei sollen alle gesellschaftlichen
Gruppen einbezogen werden, sodass die Digitalisierung als Teil der gesamtgesellschaftlichen
Entwicklung wahrgenommen wird. Im Rahmen der Digitalen Agenda wurde eine Digitalpolitik
festgelegt, die auf drei Säulen aufbaut: Wachstum und Beschäftigung; Zugang und Teilhabe;
Vertrauen und Sicherheit. Diesen Säulen sind wiederum vielfältige Maßnahmen zugeordnet, die
die Entwicklung beeinflussen und die Chancen der Digitalisierung für Deutschland effektiv nut-
zen sollen.

Entwicklungen hin zu einer Arbeit 4.0
Mit der Digitalen Agenda eng verknüpft sind die beiden Begriffe „Industrie 4.0“ und „Arbeit 4.0“.
Mit dem Begriff „Industrie 4.0“ 15 ist der fortschreitende digitale Umbruch im produzierenden Sek-
tor gemeint. Produktions- und Logistikketten werden vernetzt und hochautomatisiert an die Kun-
denwünsche angepasst. Diese Anpassung kann heute dank neuer Techniken sehr schnell und
ohne großen Mehraufwand geschehen. Ein Vorgang der nicht auf die Jugendsozialarbeit zutrifft,
da Menschen die Zielgruppen sind und nicht Maschinen. Was jedoch erhebliche Auswirkungen
auf die Träger und Dienste der Jugendsozialarbeit hat, sind die Entwicklungen der Arbeit 4.0.
Der Begriff „Arbeit 4.0“ ist verknüpft mit der vierten industriellen Revolution (Industrie 4.0), be-
schreibt aber vor allem die Veränderungen der Arbeitsformen und -verhältnisse, die durch die
Digitalisierung bedingt sind.

Inwiefern ist die Jugendsozialarbeit davon betroffen? Arbeit 4.0 kann flexiblere Arbeitszeiten
ermöglichen. Arbeit ist nicht mehr zeit- und ortsgebunden 17 sondern wird digitaler und jederzeit
abrufbar, sprich ungebundener von festen Anwesenheits- und Bürozeiten, was die Möglichkeiten
der Kombination mit familiären Verantwortlichkeiten oder mit Kinderbetreuungszeiten verbessern
kann. Jedoch besteht auch die Gefahr der Entgrenzung von Beruf und Freizeit, wenn die berufli-
chen Strukturen flexibler und freier werden. Diesem Wandel sind auch die Jugendlichen in den
Einrichtungen und Angeboten der Jugendsozialarbeit ausgesetzt. Des Weiteren wirken sich ver-
änderte Kommunikationsgewohnheiten auf die Jugendsozialarbeit aus. Wenn sie den Kontakt zu
den Zielgruppen herstellen oder erhalten möchte, sollte sie die digitalen Kanäle bedienen, durch
die die Lebenswelten der Zielgruppen bestimmt werden. Dazu gehören Kommunikations-
kanäle, die zunehmend digitaler und dadurch verkürzt und/oder vereinfacht 
werden, und die gemeinsam mit der zunehmenden Fülle an zur Verfügung 
stehenden Medien neue Kommunikations- und Vernetzungsmöglichkeiten 
bieten. Ein weiterer Aspekt auf Träger- bzw. Einrichtungsebene betrifft 
die Verwaltungsbereiche. Der Einzug digitaler Instrumente und die damit 
verbundene Nutzung bzw. der Aufbau digitaler Netzwerkstrukturen fördert 
den Ausbau der digitalen Verwaltung. Neben der für Akteure transparenten
Verwaltung von Teilnehmerdaten aus Angeboten der Jugendsozialarbeit –
die Berücksichtigung umfassender Kriterien zu Datenschutz und Daten-
sicherheit vorausgesetzt – wird die Zusammenarbeit der Fachkräfte ver-
einfacht, wenn diese digital vernetzter sind und damit eine umfassendere
und flexiblere Erreichbarkeit gewährleistet wird 18 - was hier keinesfalls
grundlegend positiv bewertet, sondern neutral als eine mögliche Aus-
wirkung aufgezeigt werden soll.
 
Wie genau das Arbeiten 4.0 bezogen auf die Jugendsozialarbeit aussehen 
wird, bleibt dabei offen und wird sich erst in den nächsten Jahren zeigen. 
Abzusehen ist, dass die Arbeit flexibler, sowie vernetzter und digitaler sein 
wird, und damit Einfluss auf den Arbeitsprozess an sich, auf die Dienst- 
leistungen und die Kooperationen zwischen Menschen haben wird. 
Dabei hat jede Einrichtung der Jugendsozialarbeit die individuelle Auf- 
gabe ihre konzeptionelle Ausrichtung so weiterzuentwickeln, dass der digi- 
tale Wandel mitgetragen und die sich eröffnenden Möglichkeiten effektiv 
genutzt werden können.
Von grundlegender Bedeutung ist – neben den möglichen Veränderungen 
der Jugendsozialarbeit selbst – inwiefern sich Digitalisierung auf die Le- 
benswelt der Zielgruppen auswirkt und welche Chancen und Risiken sich 
daraus ergeben.
 
 
 
Exkurs: Projekt Social Media der IN VIA Akademie – ausgewählte Ergebnisse
Im Jahr 2015 – 2017 hat die Sozialwissenschaftliche Forschungsstelle der IN VIA
Akademie Paderborn die Nutzung von Social Media durch einerseits benachteiligte/beeinträchtigte Ju-
gendliche und andererseits sozialpädagogische Fachkräfte der Jugendsozialarbeit erforscht.
Die Untersuchung zeigt, dass beeinträchtigte Jugendliche ein ausgeprägtes Nutzungsverhalten von
Social Media aufweisen. Alle Befragten besaßen ein Smartphone und gaben an, dass dieses sie
ganztägig ohne größere Unterbrechungen als ständiger Begleiter und Interaktionsmedium begleitet.
Gleichsam wurde deutlich, dass die Nutzung von Social Media für die Zielgruppe ein Kriterium für
soziale Teilhabe, Normalität und soziale Akzeptanz darstellt. Ergänzend zeigte sich bezüglich des Nut-
zungsbewusstseins, dass die Mehrheit der beeinträchtigten Jugendlichen lückenhafte Kenntnisse
über Nutzungsbedingungen von Social Media Diensten sowie über die Weitergabe personenbe-
zogener Daten besitzen. Auch stießen mehr als die Hälfte der befragten Jugendlichen an kommunikati-
ve Grenzen den Sprachgebrauch betreffend oder wurden Opfer von digitaler Diskriminierung. Die
Untersuchung machte deutlich, dass die jungen Menschen vielfach überfordert sind und Wissenslü-
cken hinsichtlich Datenschutz und Nutzungsbedingungen aufweisen.
Die Befragung der pädagogischen Fachkräfte ergab, dass diese die Nutzung von Social Media
und digitalen Geräten als etablierte Kommunikationsform und Parameter für die Integration der Ju-
gendlichen in Peergruppen ansehen. Daher wurde deren Nutzung im Arbeitskontext bereits vermehrt
in Betracht gezogen. Es fehlt jedoch an inhaltlichen, rechtlichen und arbeitsvertraglichen Regelungen,
um soziale Medien gezielt im beruflichen Kontext einzusetzen und eine Verwischung von Dienst- und
Freizeit zu verhindern. Zudem nehmen die Befragten wahr, dass die Beratung zum Umgang mit
Social Media zu einem von den Jugendlichen eingeforderten Thema wird. Grundsätzlich zeigte die
 
Befragung der pädagogischen Fachkräfte, dass sich die Mehrheit mit dem Thema Social Media
konfrontiert sieht. Fast alle nutzen soziale Medien im Privaten. Es zeigen sich jedoch Wissensdefizite
sowie Lücken in den arbeitsvertraglichen Regelungen.
Die generierten Ergebnisse verdeutlichen die Relevanz und Handlungsbedarfe der Thematik Digitali-
sierung/Social Media für die Träger und Dienste der Jugendsozialarbeit.
 

3. Chancen der Digitalisierung für die Jugendsozialarbeit
Wie können die Träger und Dienste der Jugendsozialarbeit die Digitale Agenda für ihren Auftrag
nutzen? Im Folgenden werden Chancen und Möglichkeiten aufgezeigt, die sich durch die zu-
nehmende Digitalisierung für das Arbeitsfeld der Jugendsozialarbeit ergeben. Dabei kann nicht
immer klar zwischen den Chancen für die Jugendsozialarbeit und denen für die Zielgruppen
unterschieden werden. Vielmehr ergeben sie sich gegenseitig.

Neue Kommunikationswege gehen – Zielgruppen digital erreichen
Wie die JIM-Studie zeigt ist die quantitative Erreichbarkeit von Jugendlichen sehr hoch, denn der
Besitz von Smartphones ist mittlerweile flächendeckend. 20 Auch das Projekt Social Media der IN
VIA Akademie bestätigte dies. Folglich können aus rein technischer Sicht Informationen über
Angebote, Ansprechpartner und Anlaufstellen der Jugendsozialarbeit einen Großteil der Ziel-
gruppen erreichen. Dennoch ist das alleinige Vorhandensein digitaler Medien noch kein Indika-
tor dafür, dass junge Menschen diese auch nutzen, um mögliche Angebote, Anlaufstellen oder
Ansprechpartner der Kinder- und Jugendhilfe zu recherchieren. Es geht vielmehr um Zielgrup-
pensensibilität in der Zugangsgestaltung zu Angeboten. 21 Jugendsozialarbeit ist nicht zwingend
ortsgebunden, sondern kann auch gezielt virtuell aufsuchend sein 22 . Wenn die digitale Welt oder
das Social Web ein Raum ist, an dem junge Menschen partizipieren, dann sollte die Jugendso-
zialarbeit dort mit ihnen in Kontakt treten. 23 Soziale Netzwerke – als ein Teil der digitalen Welt,
der zum Lebensraum junger Menschen zählt, - bieten Strukturen, die zum Zweck der Kommuni-
kation und Interaktion mit den Jugendlichen genutzt werden können.

Als ein Beispiel besteht die Möglichkeit der Präsentation der Einrichtungen und Dienste der Ju-
gendsozialarbeit in sozialen Netzwerken, wie etwa Facebook oder Instagram. Doch welche Ziele
könnten verfolgt werden? Derartige soziale Netzwerke bieten Akteuren und Institutionen der
Jugendsozialarbeit die Möglichkeit Informationen zu aktuellen Themen, zu Projekten und zu
Angeboten zu verbreiten. Wenn individuell beeinträchtigte Jugendliche diese sozialen Netzwer-
ke nutzen, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass sie dadurch erreicht werden. Neben der In-
formationsfunktion lassen sich Absprachen vereinbaren oder Treffen organisieren. Des Weiteren
kann es für junge Menschen einen Weg der informellen und niedrigschwelligen Kontaktaufnah-
me darstellen. Dennoch muss dafür eine aktive Nutzung der sozialen Netzwerke seitens der
Jugendlichen vorausgesetzt werden.

Die Nutzung digitaler Netzwerke seitens der Einrichtungen und Akteure sollte konzeptionell
durchdacht und prozesshaft gesteuert sein, um größtmögliche Professionalität, Zielgerichtetheit
und Zielgruppensensibilität zu erzielen. Dabei gilt es gleichsam Verantwortliche und Zielsetzun-
gen zu benennen, sowie auch Zielgruppen und strukturierte Durchführungs- sowie Datenschutz-
leitlinien festzulegen. Die Implementierung der Nutzung von Social Media könnte im Rahmen
eines gezielten Projektmanagements gesteuert werden.
Ein weiteres Beispiel für digitale Kommunikationswege ist die Onlineberatung. Diese kann als
niedrigschwelliges Angebot den Zugang zu Beratung erleichtern. Sie bietet eine gewisse Distanz
zu den Beratenden, was die Chance erhöht, dass Beratung zu tabuisierten Themen eingefordert
wird.

Medienbildung und die Entwicklung von Medienkompetenzen mitgestalten
Im SGB VIII § 1 Abs. 1 heißt es „Jeder junge Mensch hat ein Recht auf Förderung seiner Ent-
wicklung und auf Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persön-
lichkeit.“ Weiter heißt es in Abs. 3, dass die Kinder- und Jugendhilfe sie zur Verwirklichung die-
ses Rechts fördern, unterstützen und vor Gefahren schützen soll.“
In dem Sinne kann die Jugendsozialarbeit es sich zur Aufgabe machen die Mediennutzung der
Heranwachsenden fachlich zu begleiten und im Rahmen des Jugendmedienschutzes zu lenken
– mit dem Ziel, dass die jungen Menschen befähigt werden eigenverantwortlich und kompetent
mit digitalen Medien umzugehen. Dazu gehört auch, dass die jungen Menschen zu Medienkritik
befähigt werden. Dabei versteht die Jugendsozialarbeit sich als Kooperationspartner der Eltern
und Bezugspersonen, mit denen eine interdisziplinäre Zusammenarbeit gepflegt werden sollte. 29
Dennoch ist vor allem bei sozial benachteiligten Jugendlichen die Unterstützung durch die Eltern
und Erziehungsberechtigten häufig unzureichend 30 , sodass die Jugendsozialarbeit dort starke
Anknüpfungspunkte für sich geltend machen kann. Im 15. Kinder- und Jugendbericht heißt es,
dass „[...] Jugendliche die für eine souveräne Nutzung notwendigen Medienkompetenzen aktuell
vor allem unter sich, also im Kontext der peer group entwickeln – hier teils aber auch an Gren-
zen stoßen [...] “ 31 , was vielfach in kritischen Situationen (Vertragsfallen, Diskriminierungen, Cy-
permobbing, o.ä.) gipfelt, in denen die Jugendlichen überfordert sind. Dies gilt es durch gezielte
Medienbildung/-erziehung durch Maßnahmen der Jugendsozialarbeit präventiv zu reduzieren.

Die Fachkräfte der Jugendsozialarbeit müssen dabei zwischen den Herausforderungen von Di-
gitalisierung beispielsweise in sozialen Netzwerken, vor denen Heranwachsende geschützt wer-
den sollten, und Chancen, bezüglich derer es im Gegensatz dazu an Förderung bedarf, differen-
zieren. 32 Es gilt die anzustrebenden Kompetenzen zu definieren und Mittel und Wege zu kreie-
ren, um allen Jugendlichen diese Kompetenzen zu Teil werden zu lassen. Chancen sind etwa
eine „digitale soziale Inklusion“, digitale Erreichbarkeit, niedrigschwellige Partizipationsmöglich-
keiten, erweiterte nonverbale 33 Ausdrucksmöglichkeiten. 34 Außerdem wird ein neues Arbeitsfeld
erschlossen: das des „digitalen sozialen Miteinanders“. Hier gilt es den Jugendlichen einen
„kompetenten und verantwortungsbewussten Umgang“ 35 mit Medien zu vermitteln. Reflexions-
fähigkeit, Selbstbestimmung und soziales Verantwortungsbewusstsein sind Kompetenzen, zu
welchen junge Menschen in dem Zusammenhang befähigt werden sollten.
 
Entwicklung und Teilhabe fördern
Die Digitale Agenda der Bundesregierung betont, dass die Grundlagen für die angestrebte digi-
tale Teilhabe bereits in der Ausbildung der Kinder und Jugendlichen gelegt werden müssen. 36
Außerdem zielt sie darauf ab, dass Jugendlichen im Rahmen der beruflichen Eingliederung in
steigendem Maße und flächendeckend digitale Medienkompetenzen vermittelt werden. Hierauf
können die Träger und Dienste der Jugendsozialarbeit sich berufen und Unterstützung für ihre
Arbeit einfordern, damit sie in ihren Maßnahmen den Jugendlichen Zugänge zu digitalen Medien
verschaffen und damit Lernen in einer digitalen Welt fördern können. Dennoch sollte der Fokus
neben Ausbildung und beruflicher Eingliederung auf weitere Bereiche, wie Jugendmigrations-
dienste o.a. gelegt werden.

Gezielte reflektierte Nutzung digitaler Medien kann zu einer Steigerung der digitalen Teilhabe
beitragen. Dies eröffnet den Zielgruppen Wege zu mehr Chancengerechtigkeit und gesellschaft-
licher Teilhabe. Dabei sollte der Lebenswelt- und Settingbezug der Jugendlichen berücksichtigt
werden. 37 Lebensweltorientierung ist ein Grundsatz, welchem die Jugendsozialarbeit gerecht
wird, wenn sie die Digitalisierung mit trägt und zu einem Thema ihrer Arbeit macht, da Digitali-
sierung untrennbar mit den Lebenswelten ihrer Zielgruppen verknüpft ist.

Die soeben vorgestellten Chancen stellen einen kompakten Abriss bezogen auf die Zielgruppen
dar. Generell ist festzuhalten, dass Digitalisierung und Mediatisierung der Jugendsozialarbeit
fachliche Weiterentwicklungschancen sowie Möglichkeiten zur Schwerpunktsetzung bieten.
 

4. Risiken der Digitalisierung für die Jugendsozialarbeit
Neben den Chancen birgt die Digitalisierung vielfältige Risiken für die Zielgruppen, als auch für
die Fach- und Führungskräfte der Jugendsozialarbeit.
Cypermobbing, online Spielsucht, Abonnementfallen sind einige Gefahren der virtuellen Welt.
Ein Bedarf an Beratung und Begleitung lässt sich daraus ableiten. Der Umgang mit den neuen
Techniken und Anwendungen, sowie die Art der neuen Kommunikation zwischen den Zielgrup-
pen der Jugendsozialarbeit und den Fach- und Führungskräften müssen neu erlernt und aus-
probiert werden.

Digital vernetzte Medien heben Raum- und Zeitbegrenzungen auf. Tradierte Strukturen wie bei-
spielsweise Schule, Ausbildung und Familie, die eine klare lineare Ordnung von jungen Men-
schen einfordern, stehen gegenüber einer nicht-linearen Welt des Digitalen. 38 Viele Zielgruppen
der Jugendsozialarbeit benötigen feste Strukturen. Ständige Erreichbarkeit und Teilhabe in den
Sozialen Medien können bei ihnen vielfältige physische und psychische Probleme hervorrufen
oder verstärken. Das Risiko für junge Menschen, zwischen diesen Gegenpolen aufgerieben zu
werden, ist groß - insbesondere, wenn sie sich in einer Phase der Orientierung befinden. Einige
Zielgruppen werden daher Unterstützung benötigen. Über die familiäre Unterstützung hinaus
kann an dieser Stelle die Jugendsozialarbeit tätig werden und gemeinsam mit den jungen Men-
schen Strategien entwickeln, die helfen sich zwischen den genannten Gegenpolen zu orientie-
ren.
Ein Risiko der Digitalisierung birgt die Neuinterpretation des Rollenverständnisses der Fachkräf-
te der Kinder- und Jugendhilfe. Kinder und Jugendliche sind häufig medienaffin und kompetent
im technischen Umgang mit digitalen Medien. Sie wachsen mit digitalen Medien auf und adap-
tieren diese in ihrem Alltag. Der Mangel an Kontrolle, die Hilflosigkeit im Umgang mit digitalen
Medien und die erschwerte technische Begleitung verschieben das Rollenverständnis der Fach-
kräfte. Ein gewohnter Wissens- und Kompetenzvorsprung ist nicht mehr uneingeschränkt vor-
handen. 39 Die Konsequenz daraus ist, dass das professionelle Rollenverständnis der Fachkräfte
neue definiert und weiterentwickelt werden muss.

Sprache spielt dabei eine wichtige Rolle für die Kommunikation mit den Zielgruppen der Ju-
gendsozialarbeit. Junge Menschen nutzen in sozialen Netzwerken Emojis 40 und Abkürzungen
wie beispielsweise LOL 41 , YOLO 42 , um sich auszudrücken. Auch wenn Fachkräfte schon immer
vor der Herausforderung standen, dass die Zielgruppen eine eigene Sprache entwickelt hatten,
hat sich dieses Spannungsfeld durch die Zunahme digitaler Ausdrucksmöglichkeiten zumindest
verändert und besteht weiterhin. Hierbei ist wichtig, dass die Fachkräfte der Kinder- und Ju-
gendhilfe von diesen digitalen Sprachstilen wissen. Ob sie diese digitalen Sprachestile in ihre
Kommunikation in der Arbeit mit jungen Menschen adaptieren, müssen sie im Einzelfall prüfen.

Datenschutz ist im Umgang mit der Digitalisierung in der Kinder- und Jugendhilfe ein relevantes
Thema. Die Bundesregierung spricht bei der Digitalen Agenda davon „[...] Sicherheit und Schutz
im Netz so herzustellen, dass die Digitalisierung ihr volles Potenzial für Gesellschaft und Wirt-
schaft in Deutschland entfalten kann“. 43 Der Schutz der persönlichen Daten birgt bei der Nut-
zung der digitalen Dienste ein hohes Risiko für die Zielgruppen, als auch für die Fach- und Füh-
rungskräfte der Einrichtungen und Dienste der Jugendsozialarbeit. Der Anonymität des Inter-
nets, beispielsweise durch unterschlagen des Klarnamens in sozialen Netzwerken, steht die
Diskrepanz der Weitergabe persönlicher Daten zur Nutzung von digitalen Dienstleistung gegen-
über. Bewegungs- und Nutzungsprofile, Handynummern, Kontodaten, etc. werden von großen
Firmen genutzt und ökonomisch verwertet. Diese Metadaten werden verwendet um Nutzungs-
und Konsumverhalten zu analysieren und entsprechende ökonomisch verwertbare Profile zu
erstellen. Anhand der Daten lassen sich (prekäre) Lebenslagen erkennen, was sich dann „[...]
beispielsweise im Versicherungsscoring auswirken und damit gerade für benachteiligte Ziel-
gruppen negative Folgen haben kann.“ 44 Dabei scheint ein zentrales Problem darin zu liegen,
dass Jugendliche ein signifikant anderes Verständnis von Datensensibilität und Datenschutz
besitzen als ältere und erfahrenere Personengruppen. Der Schutz der eigenen Daten und die
Herausforderungen die mit „Big Data“ 45 für die Kinder- und Jugendhilfe einhergehen, sollten da-
her im Umgang mit der Digitalisierung erlernt und erprobt werden.
Materielle Verfügbarkeiten spielen bei den Risiken der Digitalisierung eine erhebliche Rolle. Die
soziale Ungleichheit von Kindern und Jugendlichen im realen Leben setzt sich im virtuellen Le-
ben fort. Durch ungleiche Nutzungsweisen, welche eng mit Bildungserfahrung, ökonomischen
Ressourcen, sozialem Kapital und den damit verbundenen Fähigkeiten und Alltagsrelevanzen
verbunden sind, bestimmt die digitale Ungleichheit die Teilhabemöglichkeit im Internet. 46 Junge
Menschen mit gleicher Ressourcenausstattung und gleichem Bildungshintergrund bleiben im
Netz unter sich. 47 Eine Chancenungerechtigkeit setzt sich somit im digitalen Leben fort. Die Ge-
fahr der digitalen Armut von jungen Menschen, basierend auf Ressourcen- und Bildungshinter-
grund, ist die Folge.

Mit Blick auf den Arbeitsmarkt werden weitere Risiken für junge Menschen deutlich. Durch die
Digitalisierung der Arbeitswelt ist die Arbeitslosenquote bei gering Qualifizierten mit hohem An-
teil an Routinetätigkeiten in den vergangenen Jahrzehnten stark angestiegen und liegt bei 19
Prozent. Sie ist rund viermal höher als für Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung (5
Prozent). 48 Die demografische Entwicklung in Deutschland und der Mangel an Fachkräften ins-
besondere im Bereich der Informations- und Kommunikationstechniken (IKT) beschleunigt diese
Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt. Die Frage wie Menschen mit geringen Qualifikationen zu
einem Berufsabschluss geführt werden können, wird ein Zukunftsthema der Jugendberufshilfe
und somit auch für die Jugendsozialarbeit sein.

Neben Veränderungen, die eher als Chancen gesehen werden können, ergeben sich aus zu-
nehmender Digitalisierung und Mediatisierung also auch verschiedenste Risiken für die Jugend-
sozialarbeit und für ihre Zielgruppen. Im nächsten Abschnitt werden diese Auswirkungen resü-
miert und Überlegungen abgeleitet, wie sich die Jugendsozialarbeit neu aufstellen kann um die
Entwicklungen mitzutragen und ihnen gerecht zu werden.
 

5. Jugendsozialarbeit 4.0
Digitale Medien gehören untrennbar zur Lebenswelt von Heranwachsenden. Sie werden durch
digitale Medien in ihrer Persönlichkeitsentfaltung gefördert, zur Kreativität angeregt, lernen digi-
tal Beziehungen zu pflegen oder entwickeln im Umgang mit digitalen Medien spielerisch kom-
munikative Kompetenzen. Dennoch sollten vor allem sozial benachteiligte und individuell beein-
trächtigte junge Menschen hierbei nicht allein gelassen werden, sondern gezielte Begleitung und
Beratung durch die Fachkräfte der Jugendsozialarbeit erfahren. Dazu sollten die Träger und
Dienste zum einen eine „ausreichende“ digitale Ausstattung vorweisen, und zum anderen die
digitalen Instrumente gezielt einsetzen, um die Jugendlichen zu unterstützen und ihnen Entwick-
lungschancen aufzuzeigen. Aufklärung über die Risiken der Digitalisierung sollte dabei integraler
Bestandteil sein.

Es stellt sich die Frage, ob die Kompetenzen der Akteure diesbezüglich ausreichend sind? Die
Bundesregierung verdeutlicht mit der digitalen Agenda, dass Medien- und Technologiekompe-
tenzen unabdingbare Voraussetzungen sind, um mit den digitalen Medien und Instrumenten
umzugehen. 49 Aufgabe der Jugendsozialarbeit ist es daher nicht nur für eine gelingende Integra-
tion digitaler Medien und Techniken in ihre Arbeit zu sorgen, sondern auch eine dahingehende
Qualifizierung von Führungs- und Fachkräften zu erreichen.

Fach- und Führungskräfte der Jugendsozialarbeit erhalten eine neue Rolle als Bezugs-, Bera-
tungs- und Anleitungsperson im Bereich der Digitalisierung. Das Projekt Social Media der IN VIA
Akademie zeigt diese veränderten Anforderungen an die Beratung der Jugendlichen: Die befrag-
ten Fachkräfte betonten, dass die Beratung zum Umgang mit Social Media zu einem von den
Jugendlichen eingeforderten Thema wird. Diesbezüglich ergab die Befragung, dass die Fach-
kräfte sich dafür zum einen nicht ausreichend qualifiziert fühlen, und ihnen zum anderen ein-
setzbare Lehr- und Lernmaterialien fehlen, die auf das intellektuelle Leistungsvermögen der je-
weiligen Zielgruppen angepasst sind. Hier wird eine gewisse Überforderung deutlich. 50 Wenn
beeinträchtigte und sozial schwache junge Menschen negative Erfahrungen machen, - zum Bei-
spiel mit Diskriminierungen im Internet, mit Cybermobbing, mit Überforderung oder mit Vertrags-
fallen - dann kann diese Thematik in keiner Einrichtung und keinem Dienst der Jugendsozialar-
beit ausgeblendet werden, sondern muss gezielt zum Beratungs- und Begleitungsthema ge-
macht werden. Die Risiken die mit der Digitalisierung verbunden sind, sollten durch professionel-
le Weiterbildungen in den Bereichen Datenschutz, Nutzung von digitalen Medien und Techniken
sowie dem eigenen Medienverhalten, reflektiert und (neu-)erlernt werden.
Und die angesprochenen Beratungen könnten teilweise virtuell angeboten und so angepasst
werden, dass die Jugendlichen mit ihrem Suchverhalten im Internet möglichst gezielt zu den
Beratungsangeboten gelangen. Dennoch sind auch klare Abgrenzungen vorzunehmen. Nicht
jede Beratung kann virtuell geschehen und auch nicht jede aufsuchende Arbeit. Das bedeutet,
dass die Akteure und Dienste der Jugendsozialarbeit zwar eine Art Anpassungsentwicklung hin
zur virtuellen und digitalen Interaktion mit den Zielgruppen durchmachen sollten, sie jedoch indi-
viduell abwägen müssen, in welchen Bereichen die Arbeit im Rahmen „realer“ Begegnungen
zielführender und geeigneter ist.

Zusätzlich werden Veränderungen in den Ausbildungsinhalten zu erwägen sein, um angehende
Fachkräfte direkt anhand aktuellster Arbeitsanforderungen zu qualifizieren und die Jugendsozi-
alarbeit zukunftsfähiger zu gestalten. Stellen- und Anforderungsprofile sollten dahingehend
überarbeitet werden, dass digitale Kompetenzen und Arbeitsaufgaben Berücksichtigung finden.
Für die praktische Arbeit gilt es Handlungsleitlinien zu entwickeln und zu implementieren, welche
klar reglementieren, dass der Umgang mit digitalen und mit Sozialen Medien im beruflichen Kon-
text von dem im Privaten zu trennen ist. Die Veränderung der Berufsbilder beziehungsweise der
Tätigkeitsschwerpunkte/-merkmale und der Berufsanforderungen muss von den Betroffenen
wahrgenommen werden. Flexible Reaktionen in Form von Weiterbildung und Veränderung der
Ausbildungsstruktur sollten logische Folgen sein.

Neben der Ausbildung der Akteure der Jugendsozialarbeit muss im Hinblick auf die Jugendbe-
rufshilfe auch die Arbeits- und Ausbildungssituationen der Zielgruppen in den Fokus gerückt
werden. Vor allem Handwerks- und Dienstleistungsberufe werden zunehmend digitalisierter und
technischer. Neue Maschinen und digitalisierte Arbeitsabläufe verlangen Anwendungskompe-
tenzen und eine reflektierte Nutzung. Dadurch sind veränderte Anforderungen an die jungen
Menschen gestellt. Die Qualifikationsniveaus sollten deshalb betrachtet werden, sowie verhin-
dert werden, dass sozial benachteiligte Menschen beruflich abgehängt werden. Hier kann die
Jugendberufshilfe ansetzen.

Voraussetzung für einen professionellen fachspezifischen Umgang mit dem Thema Digitalisie-
rung in der Jugendsozialarbeit sind klare Begriffsbestimmungen. Die Thematik der Digitalisie-
rung birgt eine Flut an Begriffen. Bei der Betrachtung relevanter Literatur fallen teils sehr unein-
heitliche Verwendungen der einzelnen Begrifflichkeiten auf. Dort werden beispielsweise Digitali-
sierung und Mediatisierung häufig synonym verwendet. Gleiches trifft auf andere Begrifflichkei-
ten zu, welche nicht gleichbedeutend sind, wie beispielweise Social Media und Soziale Netzwer-
ke. Von den Fach- und Führungskräften der Jugendsozialarbeit sollten eigene Begrifflichkeiten
geprägt und mit Inhalten gefüllt werden. Sinnvoll ist eine solide begriffliche Basis auf der zukünf-
tige Fachdiskussionen zum Thema Digitalisierung aufbauen können.

Festzuhalten ist, dass die Digitalisierung Chancen mit sich bringt. Aufgabe der Jugendsozialar-
beit wird es sein, diese Chancen individuell zu nutzen. Digitale Medien prägen den Lebensalltag
der Heranwachsenden, sodass offensichtlich ist, dass die Jugendsozialarbeit sich mit diesem
Thema auseinandersetzen muss, da es ihre Zielgruppen stark beeinflusst. 52 Die digitale Welt ist
ein Lebens- und Lernort für Jugendliche und ist untrennbar mit deren Entwicklungs- und Bil-
dungsprozessen verknüpft. Die Jugendsozialarbeit muss sich dieser Entwicklung öffnen und sie
aktiv mitgestalten.

Paderborn, 01.08.2017
 

Fachlich zuständige Referentin:

Sabrina Plückebaum
IN VIA Akademie Paderborn
 
 
Literaturverzeichnis
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Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe (2014): „Mit Medien leben und lernen – Medienbildung ist Gegen-
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lin, online unter https://www.agj.de/fileadmin/files/positionen/2012/Medienbildung.pdf (Zugriff 1.4.17)

Arbeitsstab des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauch (Hrsg.)(2016): Sexualisierte
Grenzverletzungen und Gewalt mittels digitaler Medien - Zur Bedeutung digitaler Medien für Phänomene sexualisier-
ter Grenzverletzungen und Gewalt gegen Kinder und Jugendliche, Berlin, online unter: https://beauftragter-
miss-brauch.de/fileadmin/Content/pdf/Pressemitteilungen/2017/17_Januar/2a_Expertise_Sexuelle_Gewalt_an_Kindern_mit
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Bertelsmann Stiftung (2015): Arbeiten 4.0 - Wie werden wir in Zukunft arbeiten? Ergebnisse des BarCamps Arbeiten
https://www.bertelsmann-4.0,Gütersloh.online unter stiftung.de/fileadmin/files/user_upload/BST_BarCamp_11digital.pdf (Zugriff 11.12.2016)

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